VPAT & ACR: Accessibility Conformance Report international
Im US-amerikanischen Beschaffungswesen ist der ACR (oft als „VPAT" bezeichnet, obwohl VPAT die Vorlage und ACR das ausgefüllte Dokument ist) ein Standard: Bundesbehörden dürfen IT-Produkte nur beschaffen, wenn ein ACR nach Section 508 vorliegt. Für deutsche und europäische Unternehmen wird der ACR relevant, wenn sie in die USA verkaufen oder international agierende Kunden bedienen. Zunehmend fragen auch europäische Großunternehmen nach ACRs als Teil ihrer Beschaffungsprozesse.
Was ist ein VPAT?
Das VPAT (Voluntary Product Accessibility Template) ist eine von der ITIC (Information Technology Industry Council) gepflegte Dokumentvorlage. Es gibt drei Editionen:
• VPAT 2.5 508: Für US Section 508 (US-Bundesbehörden).
• VPAT 2.5 EU: Für EN 301 549 (Europäische Norm).
• VPAT 2.5 INT: Kombiniert WCAG 2.x, Section 508 und EN 301 549.
Das VPAT listet tabellarisch jede relevante Anforderung auf und bietet Spalten für den Konformitätsgrad (Supports, Partially Supports, Does Not Support, Not Applicable) und Anmerkungen.
VPAT vs. ACR: Der Unterschied
Der Unterschied ist einfach, wird aber häufig verwechselt:
• VPAT: Die leere Vorlage (Template) – herunterladbar von itic.org.
• ACR: Die ausgefüllte Version (Report) – das Ergebnis der Konformitätsbewertung.
In der Praxis sagen die meisten „Wir brauchen ein VPAT", meinen aber einen ACR. Wichtig: Der ACR ist eine Selbsterklärung des Herstellers – es gibt keine obligatorische externe Prüfung. Genau wie bei der BFSG-Konformitätserklärung trägt der Hersteller die Verantwortung für die Richtigkeit.
Relevanz für den deutschen Markt
Obwohl der ACR ein US-Format ist, gibt es mehrere Gründe, warum deutsche Unternehmen ihn kennen sollten:
• Internationale Kunden: Wer Software oder SaaS an US-Behörden oder US-Großunternehmen verkauft, braucht einen ACR.
• EU-Beschaffung: Die EU-Norm EN 301 549 hat eine eigene VPAT-Edition. Immer mehr europäische Organisationen fragen danach.
• Strukturierte Dokumentation: Auch ohne formale Pflicht ist das VPAT-Format ideal, um die Barrierefreiheit eines Produkts strukturiert zu dokumentieren – eine gute Basis für die BFSG-Konformitätserklärung.
• Vergleichbarkeit: Der standardisierte Aufbau erleichtert den Vergleich verschiedener Produkte – ein Vorteil für Einkaufsabteilungen.
Einen ACR erstellen: Schritte
1. Passende Edition wählen: INT-Edition, wenn Sie international agieren; EU-Edition für europäischen Markt; 508-Edition nur für US-Markt.
2. Produkt testen: Gegen die jeweiligen Standards (WCAG 2.1 AA, EN 301 549, Section 508) prüfen – automatisiert und manuell.
3. Template ausfüllen: Pro Anforderung: Konformitätsgrad und Erläuterung.
4. Ehrlich dokumentieren: Ein ACR, der überall „Supports" angibt, ist unglaubwürdig und rechtlich riskant. Transparenz über bekannte Einschränkungen ist besser als Schönfärberei.
5. Regelmäßig aktualisieren: Bei jedem Major Release oder mindestens jährlich.
6. Veröffentlichen: Viele Unternehmen stellen ihren ACR auf der Website zur Verfügung.
VPAT/ACR und BFSG: Synergien nutzen
Der ACR nach VPAT INT-Edition und die BFSG-Konformitätserklärung basieren auf denselben technischen Anforderungen (EN 301 549 / WCAG 2.1 AA). Wer einen sorgfältigen ACR erstellt, hat die Vorarbeit für die BFSG-Dokumentation weitgehend erledigt – und umgekehrt. Empfehlung: Nutzen Sie das VPAT-Format als standardisierte Dokumentation, auch wenn Sie nur den deutschen Markt bedienen. Es ist strukturierter als eine Freitext-Erklärung und wird von Barrierefreiheitsexperten, Behörden und Einkaufsabteilungen sofort verstanden.
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