BFSG 2025: Der komplette Leitfaden für Webseitenbetreiber

Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Viele Webseitenbetreiber wissen nicht, ob sie betroffen sind — und ob sie bereits abmahnfähige Verstöße auf ihrer Seite haben. Dieser Leitfaden erklärt alles Wichtige in verständlicher Sprache.

📅 09.04.2026 ✍️ Joshua Kantner ⏱ 8 Min Lesezeit

Was ist das BFSG eigentlich?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist die deutsche Umsetzung der europäischen Richtlinie European Accessibility Act (EAA). Es zwingt bestimmte Produkte und Dienstleistungen dazu, für Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe nutzbar zu sein.

Für Webseiten bedeutet das konkret: Sie müssen den international anerkannten Standard WCAG 2.1 Level AA (Web Content Accessibility Guidelines) erfüllen. Das sind 50+ Einzelkriterien zu Themen wie Farbkontrast, Tastatur-Bedienbarkeit, Screen-Reader- Kompatibilität und Formularen.

Kurz & knapp: Seit 28. Juni 2025 sind viele gewerbliche Webseiten und Online-Shops in Deutschland gesetzlich verpflichtet, barrierefrei zu sein. Wer das ignoriert, riskiert Bußgelder bis zu 100.000 € und kostenpflichtige Abmahnungen.

Wer ist vom BFSG betroffen?

Das BFSG betrifft nicht alle Webseiten pauschal. Die wichtigsten Kriterien:

Betroffen sind:

Ausgenommen sind:

Achtung bei der Kleinstunternehmen-Ausnahme: Beide Kriterien müssen erfüllt sein — weniger als 10 Beschäftigte UND weniger als 2 Mio. € Umsatz. Wer eines der beiden überschreitet, ist nicht mehr befreit.

Welche konkreten Pflichten gelten?

Das BFSG verweist auf die WCAG 2.1 Level AA. Das sind die vier grundlegenden Prinzipien der Web-Barrierefreiheit:

1. Wahrnehmbar

2. Bedienbar

3. Verständlich

4. Robust

Welche Strafen drohen?

Das BFSG sieht mehrere Ebenen von Konsequenzen vor:

VerstoßMögliche Folge
Einfacher MangelAufforderung zur Nachbesserung
Wiederholter VerstoßBußgeld bis 10.000 €
Schwerwiegender VerstoßBußgeld bis 100.000 €
Abmahnung durch WettbewerberKosten 500 – 2.500 € plus Anwaltskosten
Abmahnung durch VerbraucherzentraleUnterlassung plus Kosten

Zusätzlich: Das Marktüberwachungsgesetz erlaubt Aufsichtsbehörden, im schlimmsten Fall das Inverkehrbringen zu untersagen — also deine Webseite vom Netz zu nehmen. Das ist in der Praxis selten, aber rechtlich möglich.

Praxis-Realität: Die echte Gefahr sind aktuell nicht die Behörden, sondern Abmahn-Anwälte. Sie scannen Webseiten massenhaft und mahnen Verstöße ab. Eine typische Abmahnung kostet 800 – 1.500 € — deutlich weniger als die behördlichen Bußgelder, aber häufiger und schneller.

Wie prüfe ich ob meine Webseite betroffen ist?

Es gibt drei Wege:

Weg 1: Manueller Check mit Tastatur-Test

  1. Öffne deine Webseite
  2. Drücke Tab wiederholt — kommst du damit durch alle wichtigen Elemente?
  3. Prüfe ob du alles lesen kannst (Kontrast)
  4. Versuche ein Formular ohne Maus auszufüllen

Das deckt vielleicht 20-30% der Verstöße ab — besser als nichts.

Weg 2: Automatisierte Tools

Automatisierte Tools wie bf-check.de, axe DevTools oder WAVE prüfen systematisch Hunderte von Kriterien und zeigen konkrete Fehler mit Lösungsvorschlägen. Das deckt ~60-80% der typischen Verstöße ab.

Weg 3: Professionelle manuelle Prüfung

Ein erfahrener Barrierefreiheits-Auditor prüft die restlichen 20-40% die Automaten nicht finden können — insbesondere kognitive Verständlichkeit, Dokumentstruktur und echte Nutzbarkeit mit Screen-Readern. Kostet typisch 500 – 3.000 € für eine mittelgroße Seite.

Praxis-Empfehlung: Kombiniere Weg 1 + Weg 2. Das deckt den Großteil der Abmahnrisiken ab und kostet dich maximal eine Stunde Zeit plus ggf. 19 € für einen detaillierten Report. Weg 3 ist nur bei kritischen Shops oder großem Traffic notwendig.

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Was tun wenn die Webseite nicht konform ist?

Panik ist nicht angebracht. Folgender Ablauf hat sich bewährt:

  1. Scan durchführen — mit einem automatisierten Tool den Status quo dokumentieren
  2. Fehler priorisieren — kritische Fehler (Formulare, Bilder, Sprachdefinition) zuerst
  3. Schnelle Fixes umsetzen — oft sind 60-70% der Probleme in wenigen Stunden behoben
  4. Template anpassen — wenn dein System (WordPress, Shopify, etc.) die Ursache ist
  5. Regelmäßig re-scannen — alle 3-6 Monate oder nach größeren Updates
  6. Dokumentieren — eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf der Webseite veröffentlichen

Die Erklärung zur Barrierefreiheit — Pflichtangabe

Auch wenn deine Seite BFSG-konform ist: Du musst eine Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Diese enthält:

Diese Erklärung muss prominent verlinkt sein — meistens im Footer neben Impressum und Datenschutz.

Fazit: Lass dich nicht abmahnen

Das BFSG ist kein theoretisches Risiko — es gibt bereits dokumentierte Abmahnwellen in Deutschland. Die Investition in einen Check und die Umsetzung ist in 95% der Fälle deutlich günstiger als eine einzige Abmahnung.

Die drei konkreten Empfehlungen:

  1. Heute: Scanne deine Webseite mit einem automatisierten Tool
  2. Diese Woche: Behebe die kritischen Fehler (meist unter 2 Stunden Arbeit)
  3. Nächsten Monat: Veröffentliche eine Erklärung zur Barrierefreiheit

Damit bist du auf der sicheren Seite und kannst dich wieder auf dein eigentliches Geschäft konzentrieren.

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