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BFSG für Kanzleien: Barrierefreiheit auf der Anwalts-Webseite

Von Joshua Kantner · April 2026 · bf-check.de

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte zum BFSG wende dich an einen spezialisierten Anwalt.

Warum gerade Kanzleien BFSG-konform sein sollten

Rechtsanwälte, die andere wegen BFSG-Verstößen abmahnen, sollten selbst konform sein. Abgesehen von der Ironie: Kanzlei-Webseiten bieten zunehmend digitale Dienste an – Online-Mandatsanfragen, Dokumenten-Upload-Portale, Terminbuchung und Rechtskosten-Rechner. All das fällt unter das BFSG.

Seit Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) alle Anbieter digitaler Dienstleistungen zur Umsetzung der Barrierefreiheitsanforderungen. Gemäß § 1 BFSG sind digitale Dienstleistungen betroffen, die über Webseiten erbracht werden – und genau das tut jede Kanzlei mit einer modernen Online-Präsenz.

Anwaltliche Sorgfaltspflicht und BFSG

Für Rechtsanwälte kommt eine besondere Dimension hinzu: die anwaltliche Sorgfaltspflicht gemäß § 43 BRAO. Wer als Anwalt Mandanten zu BFSG-Compliance berät, aber die eigene Webseite nicht konform hat, setzt sich einem erheblichen Glaubwürdigkeitsproblem aus. Weitere Informationen finden Sie im BFSG-Glossar.

Darüber hinaus stellt sich die Frage des Standesrechts: Die BRAO verlangt gewissenhafte Berufsausübung. Eine Kanzlei-Webseite, die Menschen mit Behinderungen faktisch von digitalen Mandantendiensten ausschließt, könnte standesrechtliche Fragen aufwerfen – insbesondere wenn Barrierefreiheit gesetzliche Pflicht ist.

Nicht zuletzt: Anwälte sind Organe der Rechtspflege. Gerade sie sollten Gesetze nicht nur kennen, sondern vorleben.

Typische Schwachstellen auf Kanzlei-Webseiten

Juristische Texte in kleiner Schrift mit geringem Kontrast, Kontaktformulare ohne Label-Zuordnung, PDF-Downloads (Vollmachten, Mandatsvereinbarungen) die nicht barrierefrei sind, fehlende Sprach-Deklaration bei mehrsprachigen Seiten und Anwalts-Portraits ohne Alt-Texte.

Konkret betroffen sind diese Bereiche:

Mandantenportal und beA-Schnittstelle

Immer mehr Kanzleien bieten Mandantenportale an, über die Dokumente ausgetauscht und der Fallstatus eingesehen werden kann. Diese Portale sind digitale Dienstleistungen im Sinne des BFSG und müssen vollständig barrierefrei sein.

Besonders kritisch sind:

Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) selbst liegt in der Verantwortung der BRAK. Aber die Schnittstellen zwischen Kanzlei-Portal und beA – etwa Upload-Formulare oder Benachrichtigungen – müssen auf der Kanzlei-Seite barrierefrei gestaltet sein.

Online-Terminbuchung barrierefrei gestalten

Online-Terminbuchung ist für Kanzleien ein wichtiger Kanal zur Mandantengewinnung. Doch gerade Formulare und interaktive Elemente sind häufig nicht barrierefrei.

Darauf kommt es an:

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Kanzlei-Blog und Content barrierefrei machen

Viele Kanzleien betreiben einen Blog, um Expertise zu zeigen und Mandanten zu gewinnen. Auch dieser Blog-Content muss barrierefrei sein:

Dokumenten-Download: Barrierefreie PDFs als Pflicht

Kanzleien bieten zahlreiche Dokumente zum Download an: Vollmachten, Mandatsvereinbarungen, Checklisten, Informationsblätter. Alle diese PDFs müssen barrierefrei sein – erfahre mehr in unserem Leitfaden zu barrierefreien PDFs.

Als Alternative zu PDFs können HTML-Versionen der Dokumente angeboten werden. Diese sind von Natur aus besser zugänglich und einfacher zu pflegen.

Was Kanzleien sofort tun können: Schritt für Schritt

Schritt 1: Ist-Zustand prüfen
Starte mit einem kostenlosen BFSG-Scan bei bf-check.de. In 30 Sekunden siehst du die kritischsten Probleme deiner Kanzlei-Webseite.

Schritt 2: Formulare korrigieren
Alle Kontakt- und Mandatsanfrageformulare mit korrekten <label>-Elementen versehen. Pflichtfelder klar kennzeichnen (SC 3.3.2).

Schritt 3: PDFs prüfen
Alle PDFs barrierefrei machen oder HTML-Alternativen anbieten.

Schritt 4: Kontraste und Texte
Kontraste prüfen und korrigieren. Mindestens 4.5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text (SC 1.4.3).

Schritt 5: Alt-Texte und Team-Fotos
Team-Fotos mit beschreibenden Alt-Texten versehen: „Rechtsanwältin Dr. Maria Müller, Fachanwältin für IT-Recht“ statt „Foto“.

Schritt 6: Tastatur-Test
Den gesamten Mandatsanfrage-Prozess einmal nur mit der Tastatur durchspielen. Kein Element darf unerreichbar sein (SC 2.1.1).

Schritt 7: Team schulen
Redakteure und Assistenten darin schulen, neue Blog-Beiträge und Dokumente von Anfang an barrierefrei zu erstellen.

Vergleich: Anforderungen an Kanzleien vs. andere Branchen

Im Vergleich zu einem reinen Online-Shop haben Kanzleien zusätzliche Herausforderungen:

Ähnliche Herausforderungen haben Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – auch dort spielen Mandantenportale und Dokumenten-Austausch eine zentrale Rolle.

BFSG als Geschäftsfeld für Kanzleien

Das BFSG eröffnet ein neues Beratungsfeld: Mandanten zu Barrierefreiheits-Compliance beraten, Barrierefreiheits-Erklärungen erstellen und bei Abmahnungen verteidigen. Wer das Thema früh besetzt, positioniert sich als Spezialist.

Konkrete Geschäftsmöglichkeiten:

Häufig gestellte Fragen

Können Kanzleien selbst abgemahnt werden?
Ja. Das BFSG gilt für alle Anbieter digitaler Dienstleistungen – auch für Rechtsanwälte. Eine Kanzlei mit Online-Mandatsanfrage ist genauso betroffen wie ein Online-Shop.
Welche PDFs müssen barrierefrei sein?
Alle PDFs, die auf der Webseite zum Download angeboten werden. Besonders wichtig: Mandatsvereinbarungen, Vollmachten und Informationsblätter.
Ist das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) barrierefrei?
Das beA selbst liegt in der Verantwortung der BRAK. Jedoch müssen Kanzleien sicherstellen, dass ihre eigenen Mandantenportale und Schnittstellen zum beA barrierefrei bedienbar sind – insbesondere Upload-Formulare und Statusanzeigen.
Muss eine Online-Terminbuchung barrierefrei sein?
Ja. Online-Terminbuchungen sind digitale Dienstleistungen gemäß § 1 BFSG. Kalender-Widgets müssen per Tastatur bedienbar sein (WCAG SC 2.1.1) und Auswahlfelder korrekte Labels haben (SC 1.3.1).
Gilt das BFSG auch für kleine Einzelkanzleien?
Ja, sofern die Kanzlei digitale Dienstleistungen über ihre Webseite anbietet – etwa Kontaktformulare, Dokumenten-Downloads oder Online-Mandatsanfragen. Die Unternehmensgröße spielt für die BFSG-Pflicht keine Rolle.
Welche Rolle spielt das Standesrecht bei Barrierefreiheit?
Die BRAO enthält keine explizite Barrierefreiheitspflicht, aber § 43 BRAO (Grundpflichten) verlangt gewissenhafte Berufsausübung. Wer digitale Mandantenkommunikation anbietet, die einen Teil der Bevölkerung ausschließt, könnte sich standesrechtlichen Fragen aussetzen.
Wie mache ich einen Kanzlei-Blog barrierefrei?
Blogbeiträge brauchen eine klare Überschriftenhierarchie (H1-H6), ausreichende Kontraste (mindestens 4.5:1), Alt-Texte für Bilder und eine logische Lesereihenfolge. Juristische Fachbegriffe sollten bei erster Nennung kurz erklärt werden.

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