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BFSG für Gastronomie: Muss meine Restaurant-Webseite barrierefrei sein?

Von Joshua Kantner · April 2026 · bf-check.de

Wann gilt das BFSG für Restaurants?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) greift gemäß §1 BFSG, sobald ein Restaurant digitale Dienstleistungen für Verbraucher anbietet. Konkret fallen darunter:

Eine rein informative Webseite mit Adresse und Öffnungszeiten ist weniger kritisch, sollte aber trotzdem grundlegende WCAG-Standards erfüllen – nicht zuletzt, weil Google barrierefreie Seiten im Ranking bevorzugt.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte zur BFSG-Pflicht deines Betriebs wende dich an einen spezialisierten Anwalt.

Typische Barrierefreiheits-Probleme in der Gastronomie

Die Gastronomie-Branche hat einige branchentypische Stolperfallen, die immer wieder auftauchen: Weitere Informationen finden Sie im BFSG-Glossar.

Online-Speisekarten richtig umsetzen

Die digitale Speisekarte ist das Herzstück jeder Restaurant-Webseite. Leider sind die meisten Speisekarten als gescannte PDFs oder Bilder eingebunden – für Screenreader-Nutzer komplett unlesbar.

So machst du es richtig:

Allergen-Informationen barrierefrei darstellen

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) verpflichtet Gastronomen ohnehin zur Allergen-Kennzeichnung. Digital muss diese Information zusätzlich barrierefrei sein.

Vermeiden: Allergen-Icons als reine Bilder ohne Alt-Text, Tooltips die nur per Maus-Hover erscheinen, Allergen-Infos in einem separaten PDF-Download.

Besser: Allergene direkt beim jeweiligen Gericht im Fließtext nennen. Oder eine übersichtliche Allergen-Tabelle mit korrekten <th>-Headern und scope-Attributen. Screenreader können so die Zuordnung Gericht → Allergen sauber vorlesen.

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Reservierungssysteme barrierefrei einbinden

Online-Reservierungen über Plattformen wie OpenTable, Quandoo oder TheFork werden häufig als Widget in die eigene Webseite eingebettet. Das Problem: Du bist mitverantwortlich für die Barrierefreiheit auf deiner Seite – auch bei Drittanbieter-Widgets.

Prüfe folgende Punkte:

Tipp: Teste das Widget einmal komplett nur mit der Tastatur. Wenn du nicht ohne Maus reservieren kannst, können es deine Gäste mit Einschränkungen auch nicht. Mehr dazu in unserem Artikel über barrierefreie Buchungs- und Reservierungssysteme.

Lieferdienste und Bestell-Plattformen

Wenn du über Lieferando, Wolt oder eigene Apps bestellbar bist, liegt die Barrierefreiheits-Verantwortung bei der Plattform. Aber: Deine eigene Webseite mit eigenem Bestellsystem muss selbst BFSG-konform sein.

Besonders kritisch bei eigenen Bestell-Lösungen:

Prüfe auch eingebettete Widgets von Drittanbietern – ein nicht-barrierefreies Bestell-Widget macht deine gesamte Seite angreifbar.

Schritt für Schritt: Restaurant-Webseite BFSG-konform machen

So gehst du systematisch vor:

  1. Ist-Zustand prüfen: Nutze den kostenlosen BFSG-Scanner, um einen ersten Überblick über Verstöße zu bekommen.
  2. Speisekarte umstellen: PDF-Bilder durch HTML-Speisekarte ersetzen. Allergene direkt im Text kennzeichnen.
  3. Reservierungs-Widget prüfen: Tastatur-Test, Label-Check, Screenreader-Test.
  4. Kontraste korrigieren: Besonders bei dunklen Restaurant-Themes fallen Buttons und Links gerne unter das 4,5:1-Minimum (WCAG SC 1.4.3).
  5. Formulare reparieren: Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares <label>-Element.
  6. Bilder mit Alt-Texten versehen: Gerichte-Fotos brauchen beschreibende Alternativtexte (WCAG SC 1.1.1).
  7. Tastatur-Test: Gesamte Seite einmal komplett per Tab durchgehen. Jeder Button, jeder Link, jedes Formularfeld muss erreichbar sein.
  8. Erneut scannen: Nach den Korrekturen nochmals prüfen und dokumentieren.

Quick Wins für Gastronomen

Diese Maßnahmen sind mit minimalem Aufwand umsetzbar und haben große Wirkung:

Häufig gestellte Fragen

Muss meine digitale Speisekarte barrierefrei sein?
Wenn sie auf deiner Webseite verfügbar ist und eine Bestellfunktion hat: Ja. Reine PDF-Speisekarten sollten als barrierefreies PDF oder besser als HTML-Seite angeboten werden.
Was ist mit QR-Code-Speisekarten?
QR-Codes selbst sind kein Problem, aber die Zielseite muss barrierefrei sein. Wenn der QR-Code auf ein Bild-PDF verweist, ist das nicht BFSG-konform.
Gilt das BFSG auch für kleine Restaurants ohne Online-Shop?
Sobald du digitale Dienstleistungen für Verbraucher anbietest (z. B. Online-Reservierung, digitale Speisekarte mit Bestellfunktion), greift das BFSG gemäß §1. Eine rein informative Webseite ohne Transaktionsfunktion fällt nicht direkt unter das BFSG, sollte aber trotzdem WCAG-konform sein.
Müssen Allergen-Informationen barrierefrei sein?
Ja. Allergen-Informationen müssen für alle Nutzer zugänglich sein, auch für Screenreader-Nutzer. Tooltip-only-Lösungen oder reine Bild-Darstellungen genügen nicht. Am besten direkt im Text oder in einer barrierefreien Tabelle darstellen.
Reicht es, wenn mein Lieferdienst-Partner (z. B. Lieferando) barrierefrei ist?
Für die Plattform des Partners ist dieser selbst verantwortlich. Aber deine eigene Webseite mit eigenem Bestellsystem, Speisekarte oder Reservierungsfunktion muss eigenständig BFSG-konform sein.
Was kostet es, eine Restaurant-Webseite barrierefrei zu machen?
Für typische Gastro-Webseiten mit Speisekarte und Reservierung liegen die Kosten oft zwischen 500 und 3.000 Euro, je nach Umfang. Viele Maßnahmen wie korrekte Labels und Kontrast-Anpassungen sind mit minimalem Aufwand umsetzbar.
Muss mein Online-Reservierungssystem (z. B. OpenTable) barrierefrei sein?
Wenn du ein externes Widget einbindest, bist du mitverantwortlich für die Barrierefreiheit auf deiner Seite. Prüfe, ob das Widget tastaturzugänglich ist, korrekte ARIA-Labels hat und mit Screenreadern funktioniert. Im Zweifel den Anbieter kontaktieren.

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