Dreifach-Blitzen (WCAG 2.3.1): Blitzende Inhalte vermeiden

Kurz erklärt: Das Dreifach-Blitzen-Kriterium (WCAG 2.3.1 Three Flashes or Below Threshold) verlangt, dass keine Inhalte häufiger als dreimal pro Sekunde blitzen – es sei denn, der Blitz liegt unterhalb der allgemeinen Blitz- und Rotblitz-Schwellenwerte. Dieses Level-A-Kriterium schützt epileptische Nutzer und ist BFSG-Pflicht.

Blitzende oder flackernde Inhalte können bei Menschen mit fotosensitiver Epilepsie Anfälle auslösen – ein ernstes gesundheitliches Risiko. WCAG 2.3.1 ist deshalb bewusst auf Level A gesetzt: Es gibt keine Kompromisse, wenn die Gesundheit von Nutzern auf dem Spiel steht. Das BFSG übernimmt diese Anforderung über die EN 301 549.

Was genau ist ein „Blitz"?

Ein Blitz ist ein schneller Wechsel zwischen relativer Helligkeit – typischerweise ein abrupter Wechsel von hell zu dunkel oder umgekehrt. WCAG definiert zwei Schwellenwerte: Allgemeiner Blitz: Ein Helligkeitswechsel von mehr als 10 % der maximalen Helligkeit, der mehr als 0,006 Steradiant des Gesichtsfelds einnimmt (grob: ein Bereich von 341 × 256 Pixel bei typischem Betrachtungsabstand). Rotblitz: Ein Wechsel von/zu gesättigtem Rot – besonders gefährlich für epileptische Nutzer. Drei oder mehr solcher Blitze innerhalb einer Sekunde verletzen das Kriterium, sofern sie über der Schwelle liegen.

Wo treten Blitz-Probleme auf?

Videos und Animationen: Schnelle Schnittfolgen, Stroboskop-Effekte, Explosions-Animationen in Videos. GIF-Animationen: Schnell wechselnde Frames, besonders bei Meme-GIFs oder dekorativen Animationen. CSS-Animationen: Schnell blinkende Elemente, z. B. animation: blink 0.2s infinite. Canvas/WebGL: Spiele oder Visualisierungen mit schnellen Helligkeitswechseln. Cursor-Blinken: Übermäßig schnelles Cursor-Blinken in Custom-Textfeldern. Selbst eine blinkende „NEU"-Badge kann problematisch sein, wenn sie schnell genug blinkt.

Technische Prüfung und Vermeidung

Die sicherste Strategie: Keine blitzenden Inhalte verwenden. Wenn Blitz-Effekte unvermeidbar sind: Nutze das Photosensitive Epilepsy Analysis Tool (PEAT) – ein kostenloses Tool, das Videos und Animationen auf Blitz-Schwellenwerte analysiert. Für CSS: Vermeide animation und transition mit Helligkeitswechseln unter 333 ms Dauer. Respektiere die prefers-reduced-motion-Media-Query: @media (prefers-reduced-motion: reduce) { * { animation: none !important; } } Für Videos: Prüfe problematische Sequenzen vorab und füge ggf. eine Epilepsie-Warnung hinzu – wobei eine Warnung allein keine WCAG-Konformität herstellt.

WCAG-Bezug

WCAG 2.3.1 Three Flashes or Below Threshold ist Level A – die höchste Pflichtstufe. Die EN 301 549, Abschnitt 11.2.3.1, übernimmt das Kriterium direkt für das BFSG. Das strengere WCAG 2.3.2 (Three Flashes, Level AAA) verbietet jegliches Blitzen über drei Mal pro Sekunde, auch unterhalb der Schwellenwerte – dies ist empfohlen, aber nicht BFSG-pflichtig. Verwandt ist WCAG 2.2.2 (Pause, Stop, Hide, Level A), das sich bewegende Inhalte allgemein regelt. In der Praxis sind Blitz-Verstöße selten, aber wenn sie auftreten, sind sie besonders kritisch – es handelt sich um eine direkte gesundheitliche Gefährdung.

Wird geprüft: bf-check analysiert CSS-Animationen und GIF-Frame-Raten auf potenzielle Blitz-Frequenzen über dem Dreifach-pro-Sekunde-Schwellenwert.

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