Fehlerkorrektur (WCAG 3.3.3/3.3.4): Korrekturvorschläge und Fehlervermeidung
WCAG 3.3.1 identifiziert den Fehler – aber WCAG 3.3.3 und 3.3.4 gehen weiter: Sie helfen dem Nutzer, den Fehler zu beheben und bei kritischen Aktionen Fehler von vornherein zu vermeiden. Gerade in Online-Shops und bei Vertragsabschlüssen sind diese Kriterien zentral. Das BFSG fordert sie über die EN 301 549 als Teil der Level-AA-Konformität.
WCAG 3.3.3 – Error Suggestion
Wenn ein Eingabefehler automatisch erkannt wird und Korrekturvorschläge bekannt sind, müssen diese dem Nutzer bereitgestellt werden – sofern die Sicherheit oder der Zweck des Inhalts nicht gefährdet wird. Beispiele für gute Korrekturvorschläge: „Bitte geben Sie die E-Mail-Adresse im Format name@beispiel.de ein" statt „Ungültige E-Mail". „Das Datum muss im Format TT.MM.JJJJ sein. Sie haben 13/05/2025 eingegeben" – mit konkreter Korrekturhilfe. „Die Postleitzahl muss 5 Ziffern haben. Sie haben 4 Ziffern eingegeben." Ausnahme: Bei Passwort-Feldern dürfen keine Vorschläge gemacht werden, die das Passwort verraten würden. Bei Captchas und Sicherheitsabfragen gelten ebenfalls Ausnahmen.
WCAG 3.3.4 – Error Prevention (Legal, Financial, Data)
Bei Seiten, die rechtliche Verpflichtungen, finanzielle Transaktionen oder nutzerdatenbezogene Änderungen auslösen, muss mindestens eine der folgenden Optionen gelten: Reversibel: Die Aktion kann rückgängig gemacht werden (z. B. Bestellung stornieren innerhalb einer Frist). Geprüft: Eingaben werden auf Fehler geprüft und der Nutzer kann korrigieren, bevor die Aktion endgültig wird. Bestätigt: Eine Überprüfungsseite vor dem endgültigen Absenden (z. B. Bestellübersicht vor „Jetzt kaufen"). In der Praxis bedeutet das: Jeder Online-Shop braucht eine Bestellübersicht mit Korrekturmöglichkeit vor dem Kaufabschluss. Jedes Konto-Lösch-Formular braucht eine Bestätigungsseite.
Technische Umsetzung
Korrekturvorschläge (3.3.3): Ergänze Fehlermeldungen um konkrete Hinweise zur Korrektur. Nutze kontextabhängige Validierung: Erkennt das System eine E-Mail ohne @-Zeichen, schlage das richtige Format vor. Implementiere Echtzeit-Validierung mit aria-live="polite", damit Nutzer sofort Feedback bekommen. Fehlervermeidung (3.3.4): Implementiere einen mehrstufigen Checkout: Eingabe → Überprüfung → Bestätigung. Die Überprüfungsseite muss alle eingegebenen Daten anzeigen und Bearbeiten-Links zu den einzelnen Formularabschnitten bieten. Für Datenlöschungen: Nutze einen Bestätigungsdialog mit klarer Formulierung: „Möchten Sie Ihr Konto unwiderruflich löschen?" mit zwei Buttons: „Ja, Konto löschen" und „Abbrechen".
WCAG-Bezug
WCAG 3.3.3 (Error Suggestion) und 3.3.4 (Error Prevention – Legal, Financial, Data) sind beide Level AA und über die EN 301 549 (Abschnitte 11.3.3.3 und 11.3.3.4) BFSG-pflichtig. Sie bauen auf WCAG 3.3.1 (Error Identification, Level A) auf: 3.3.1 identifiziert, 3.3.3 schlägt Korrekturen vor, 3.3.4 verhindert Fehler bei kritischen Aktionen. WCAG 2.2 ergänzt dies durch 3.3.7 (Redundant Entry, Level A) und 3.3.8 (Accessible Authentication, Level AA) – beide reduzieren die kognitive Last bei Formularen weiter. Im E-Commerce ist 3.3.4 besonders relevant: Der Checkout-Prozess muss eine Überprüfungsseite enthalten.
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