Abmahnrisiko BFSG: Was kostet mich ein Verstoß wirklich?

Rund um das BFSG gibt es viel Panik-Mache. "100.000 € Bußgeld!" hört man überall. Die Wahrheit ist differenzierter — und die realistischen Kosten sind deutlich niedriger als oft behauptet, aber immer noch ernst zu nehmen. Hier der ehrliche Überblick.

📅 09.04.2026 ✍️ Joshua Kantner ⏱ 7 Min Lesezeit

Die drei Gefahrenquellen

BFSG-Verstöße können aus drei Quellen teuer werden:

  1. Behördliche Bußgelder (Aufsichtsbehörden)
  2. Abmahnungen (Wettbewerber, Verbraucherverbände, Anwaltskanzleien)
  3. Umsatzverluste (Shop gesperrt, verlorene Kunden)

Schauen wir uns die drei einzeln an — mit realistischen Zahlen aus der Praxis.

Gefahrenquelle 1: Behördliche Bußgelder

Das BFSG-Gesetz erlaubt der zuständigen Aufsichtsbehörde (Marktüberwachungsbehörde der jeweiligen Bundesländer) Bußgelder zu verhängen. Die maximale Höhe:

VerstoßMax. Bußgeld
Verstoß gegen Informationspflichten (z.B. fehlende Erklärung zur Barrierefreiheit)bis 10.000 €
Bereitstellen nicht konformer Produkte/Dienstleistungenbis 100.000 €
Täuschung der Behörde oder Missachtung einer Anordnungbis 100.000 €
Wichtig: Die 100.000 € sind die gesetzliche Obergrenze, nicht der Regelfall. In der Praxis werden Bußgelder immer verhältnismäßig zum Verstoß und zur Firmengröße festgesetzt. Ein kleiner Shop der erstmalig auffällt, zahlt im Extremfall einige hundert bis wenige tausend Euro, nicht 100.000 €.

Realistische Erwartung

Die typischen Schritte bei behördlichen Verfahren:

  1. Aufforderung zur Nachbesserung (kostenlos, Frist zur Behebung)
  2. Nicht-Reaktion → Verwarnung mit Bußgeld-Androhung (500 – 2.000 €)
  3. Weiterhin nicht behoben → Formales Bußgeld (1.000 – 15.000 € realistisch)
  4. Dauerhafte Missachtung → Höhere Bußgelder / Zwangsmaßnahmen

Die gute Nachricht: Wer reagiert und Mängel behebt, kommt in 95% der Fälle mit einer Nachbesserung davon — ohne finanziellen Schaden.

Gefahrenquelle 2: Abmahnungen

Das ist die realistische Gefahr für die meisten Webseitenbetreiber. Abmahnanwälte und Wettbewerber scannen massenhaft Webseiten und mahnen Verstöße ab.

Wer kann abmahnen?

Typische Kostenstruktur einer Abmahnung

KostenpositionTypische Höhe
Anwaltsgebühren des Abmahners (RVG-Gebühren)400 – 1.500 €
Eigene Anwaltskosten (Prüfung & Antwort)300 – 800 €
Vertragsstrafe (bei Zuwiderhandlung im Wiederholungsfall)3.000 – 10.000 € pro Fall
Behebung des Verstoßes (einmalig)100 – 2.000 €
Rechenbeispiel: Ein kleiner Online-Shop bekommt eine Abmahnung wegen fehlender alt-Texte und unzureichendem Farbkontrast. Kosten:

Das ist der typische Fall — nicht der Extremfall. Und die Wiederholungsgefahr bleibt: Wer die Unterlassungserklärung unterschreibt und dann erneut gegen das gleiche Kriterium verstößt, zahlt die Vertragsstrafe. Das sind dann schnell 5.000 – 10.000 € zusätzlich.

Gefahrenquelle 3: Umsatzverluste

Die versteckte Kostenfalle, die oft übersehen wird: Umsatzausfälle während der Kontroverse.

Direkte Umsatzausfälle

Indirekte Kosten

In Summe: Eine einzige BFSG-Abmahnung kostet einen typischen kleinen Online-Shop realistisch 2.000 – 5.000 € an direkten und indirekten Kosten. Bei einem mittelgroßen Shop (>500k € Jahresumsatz) können es schnell 10.000 – 25.000 € werden.

Die ehrliche Wahrscheinlichkeit

Wie wahrscheinlich ist es, dass DEINE Webseite abgemahnt wird? Das hängt von mehreren Faktoren ab:

Hohe Abmahnwahrscheinlichkeit

Niedrigere Abmahnwahrscheinlichkeit

Wichtig: "Niedrigere Wahrscheinlichkeit" heißt nicht "keine". Auch kleine Seiten werden abgemahnt, nur seltener. Im Zweifel ist Prävention immer günstiger als Reaktion.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung

Jetzt die eigentliche Frage: Lohnt es sich, in Barrierefreiheit zu investieren?

Prävention 50 – 500 €

Reaktion nach Abmahnung 2.000 – 10.000 €

Behördliches Bußgeld (seltener Fall) 1.000 – 15.000 €

Die Rechnung ist eindeutig: Ein Investment von maximal 500 € in Prävention spart im Abmahnungsfall das 4- bis 20-Fache. Und im Behördenfall noch mehr.

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Was tun wenn die Abmahnung schon da ist?

Falls du bereits eine Abmahnung bekommen hast: Nicht panisch reagieren.

Die 5 Schritte

  1. Fristen einhalten — Abmahnungen haben meist 7-14 Tage Frist. Nicht ignorieren!
  2. Anwalt einschalten — Spezialanwalt für Internetrecht / Wettbewerbsrecht. Kosten ~300-800 € aber oft Goldes wert.
  3. Unterlassungserklärung NIE ungeprüft unterschreiben — meist enthält sie zu weit gefasste Verpflichtungen. Modifizierte Erklärungen sind möglich.
  4. Verstöße sofort beheben — während der Anwalt verhandelt, schon mal die technische Seite reparieren.
  5. Dokumentieren — alles aufschreiben: wann behoben, was geändert, Screenshots. Falls später eine Prüfung kommt, kannst du belegen was passiert ist.

Fazit: Die realistische Einschätzung

Lass dich nicht von Schreckensmeldungen über 100.000 € Bußgeldern in Panik versetzen — aber ignoriere das Thema auch nicht. Die realistischen Risiken:

Das beste Mittel: Einmal die Webseite prüfen, offensichtliche Verstöße beheben (das sind die häufigsten 10 Fehler aus diesem Artikel), Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Das kostet maximal 500 € und spart dir im Ernstfall ein Vielfaches.

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